Am 9. Mai 1837 wurde Maria Domenica Mazzarello als älteste von 10 Kindern dem Ehepaar Giuseppe und Maria Maddalena Mazzarello (geb. Calcagno) geboren. Drei der Kinder starben im Kleinkindalter.
Noch am gleichen Tag wurde sie in der Pfarrkirche von Mornese, ihrem Geburtsort, getauft.
Mornese, ein kleines unscheinbares Dorf, das sich auf den Hügeln des Monferrat erhebt, war fast 42 Jahre die Heimat von Maria Mazzarello. Ihr Leben war stark mit diesem piemontesischen (Oberitalien) Ort verbunden. Geprägt ist er durch seine Weinberge, Getreidefelder, Pinienhaine und Wälder, die sich abwechseln, und durch die damit verbundenen Arbeiten in einem sonnigen, im Winter auch rauhen Klima.
Bis 1847 wohnte Maria (von ihren Verwandten "Main" genannt, dem Dialekt nach), geborgen in der Großfamilie, im Ortsteil "Mazzarelli". Teilweise teilten sich bis zu 15 Personen, die zur Familie bzw. zur Verwandtschaft gehörten, das Haus. Im Hause Mazzarello fand man eine Atmosphäre großer Gelassenheit und Freude vor. In einer bescheidenen, einfachen und harmonischen Umgebung, die von den damaligen Lebens- und Arbeitsbedingungen bestimmt war, ist Maria herangewachsen. Die kleine Maria war ein offenes, wißbegieriges und mitteilungsfreudiges Kind. Von klein auf lernte sie die Bereitschaft zum Dialog und zur Zusammenarbeit, sowie die Fähigkeit zu teilen.
Das religiöse Klima, in dem Maria aufwuchs, hat sich während ihres Lebens deutlich gewandelt. Bis 1847 stand das kleine Dorf Mornese unter dem Einfluß des Jansenismus (eine innerkirchliche Strömung, die übertriebene Ehrfurcht und Angst vor dem Sakrament der Eucharistie und der Beziehung zu Gott vermittelte). Durch den Priester Don Pestarino (der unter dem Einfluß Don Frasinettis, einem Gegner des Jansenismus) änderte sich das religiöse Klima in Mornese.
Maria Domenica war offen gegenüber der Wirklichkeit und religiösen Dingen sehr aufgeschlossen. Ihr Vater war ihr diesbezüglich Vorbild. Zu ihm ging sie mit ihren Fragen. Der Erziehung des Vaters verdankt Maria ihren gesunden Menschenverstand, ihre Beobachtungsgabe, ihren Arbeitseifer und das Gespür für die Gegenwart Gottes.
Ihre Mutter war ihr Vorbild in den häuslichen Dingen, entsprechend den Vorstellungen damaliger Zeit. Sehr früh übernahm Maria Domenica auch Mitsorge für die jüngeren Geschwister. So konnten sich ihr Verantwortungsbewußtsein, ihre erzieherischen Qualitäten, ihr Führungstalent, ihre Großzügigkeit, Opferbereitschaft und Selbsthingabe entwickeln.
Ende des Jahres 1848 oder Anfang des Jahres 1849 übersiedelte die engere Familie Mazzarello zur Valponasca. Die Jahre auf der Valponasca, ein Einödhof etwa eine Dreiviertelstunde Fußweg von Mornese entfernt, werden für das geistliche Leben von Maria Domenica entscheidend.
Hier lernt sie, im engen Kontakt mit der Natur, bei harter Arbeit in den Weinbergen, Lebens- und Reifungsprozesse zu unterstützen und geduldig auf die Früchte zu warten. hr Gespräch mit der Natur ist Anbetung und Lobpreis Gottes. Hier lernt sie auf die Stille zu hören und innerlich zu beten.
Während diese Zeit fällt auch der erste Kontakt mit Don Pestarino, der von 1848 bis 1874 ihr geistlicher Begleiter war. Den Katechismusunterricht, den er hält, verfolgt Maria genau. Sie ist sehr ehrgeizig und möchte die beste in der Gruppe sein. Don Pestarino lenkt sie und orientiert ihr Leben.
Anfang April 1850 empfängt Maria Domenica die erste heilige Kommunion und am 30. September 1849 die hl. Firmung in Gavi, einem Nachbarort (für damalige Zeiten war es nicht ungewöhnlich zuerst gefirmt zu werden und später zur ersten heiligen Kommunion zu gehen - erst spätere Nachforschungen haben diese Zeitpunkte ergeben ).
Die Begegnung mit Christus in der Eucharistie wird für sie grundlegend. Jeden Morgen steht sie sehr früh auf, um an der hl. Messe in der Pfarrkirche teilzunehmen; weder Regen noch Schnee können sie abhalten, "ihrem" Gott zu begegnen.
Don Pestarino erlaubte ihr auch, die hl. Kommunion öfters zu empfangen, was damals noch nicht üblich war. Während der Jahre auf der Valponasca lernt sie Arbeit und Gebet zu vereinigen. Die Liebe zu Christus in der Hl. Eucharistie nimmt zu. So verweilt sie anbetend von ihrem Fenster aus, den Blick auf die Pfarrkirche gerichtet.
Mit etwa 15 Jahren legt maria Domenica das Gelübde der Jungfräulichkeit ab, das eine Frucht ihrer eucharistischen Frömmigkeit ist. Sie möchte ganz Gott gehören mit ihrer Kraft zu lieben und den Gaben ihres Frauseins.
In diese Zeit fällt auch die Einladung zu einem Treffen der Gruppe der "Töchter der Immaculata". In dieser Gruppe gleichgesinnter junger Frauen findet sie einen Ort, wo ihr geistliches Leben wachsen kann, aber auch einen Ort, wo gemeinsam überlegt wird, für wen man da ist. Sie möchten allen im Dorf Gutes tun, besonders den Mädchen, Frauen und Müttern.
Die Gründung der "Töchter der Immaculata" steht eng in Verbindung mit der Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis (1854). Maria Domenica findet ihr Ideal auch in der Gestalt der Gottesmutter Maria. Hier beginnt sich auch ihr marianischer Weg zu vertiefen.
1858 zieht die Familie wieder ins Dorf, nachdem in der Valponasca eingebrochen wurde.
Das Jahr 1860 wird für Maria zu einem entscheidenden Jahr. Der Typhus ist in Mornese ausgebrochen, viele sind erkrankt und sterben an dieser ansteckenden Krankheit. Don Pestarino bat sie, ihre Verwandten zu pflegen. Für Maria eine lebensentscheidende Frage. Sie hat "Ja" gesagt, obwohl sie um das Risiko einer Ansteckung wußte. Sie gab sich ganz als "Krankenschwester" und "Mädchen für alles" in diese Aufgabe hinein. Dank ihres Einsatzes werden die Verwandten gesund. Sie selbst erkrankte jedoch schwer und stand an der Schwelle des Todes. Auch nach ihrer mehrmonatigen Genesungszeit kehren ihre körperlichen Kräfte nicht mehr zurück. Sie durchlebt eine tiefe Krise, die sie aber in Treue durchlebt. Sie erkennt, daß sie auch mit schwacher Gesundheit einen Auftrag hat. sie möchte sich ganz um das Wohl der Mädchen kümmern, nur wie?
In dieser Zeit hatte sie bei einem Spaziergang auf den Hügel "Borgoalto" eine Vision. Sie sah ein Haus, ähnlich einem Kolleg und im Hof darin spielende Mädchen. Dazu hörte sie die Stimme "Dir vertraue ich sie an!"
Gott zeigt ihr den Weg. Sie beginnt zusammen mit ihrer Freundin Petronilla eine Schneiderlehre beim Schneider Valentino Campi (1861). Absolut ungewöhnlich für die damalige Zeit. Ihr Beweggrund liegt nicht im Geld verdienen, sondern eine Möglichkeit zu haben, auf Mädchen und Frauen erzieherisch zu wirken. "Jeder Schritt, jeder Nadelstich soll nur aus reiner Liebe zu Gott geschehen."
Marias erste Schneiderwerkstatt war im Haus der Teresa Pampuro (1862). Dort entsteht die erste Nähschule. Bald jedoch wird der Raum zu klein, sie ziehen in einen größeren Raum um, der an einen Spielhof angrenzt. Bald entsteht dort ein Sonntagsoratorium (Spiel, Werkstatt, Katechismusunterricht) mit den Mädchen des Dorfes.
1863 nehmen Maria und Petronilla die ersten beiden Waisenkinder auf.
Der persönliche Stil Maria Domenicas: in einer familiären Atmosphäre, ohne Zwang die Mädchen erziehen, ganzheitlich zu bilden, mehr durch gutes Beispiel als durch viele Worte zum Guten anleiten.
1864 kommt es in der Gruppe der "Töchter der Immaculata" zu einer schwierigen Situation, die aufgrund des Apostolats von Maria und Petronilla entstanden ist. Don Pestarino schickt Maria Domenica für eine Bedenkzeit von einem Monat auf die Valponasca. Die Entscheidung fällt dort: für ein intensives Wirken unter der weiblichen Jugend.
Mittlerweile unterhielt Don Pestarino eine freundschaftliche Beziehung zu Don Bosco, dem "Turiner Jugendapostel" und war selbst in den von Don Bosco gegründeten Orden eingetreten. Er lenkte die Aufmerksamkeit Don Boscos auf die "Töchter der Immaculata".Er wollte sie ihm bekanntmachen.
So kam es am 7. Oktober 1864 zu einem ersten Treffen in Mornese. Nach diesem Treffen sagte Maria Domenica: "Ich spüre es, Don Bosco ist ein Heiliger!"
Weitere Treffen in Mornese folgten (1867 und 1869) bevor die Gründung einer Kongregation erwogen wurde.
1864 beginnt Don Pestarino ein Kolleg auf seinem Grundstück zu bauen, das die Jungen von Mornese und Umgebung aufnehmen soll. Die ganze Dorfbevölkerung hilft beim Bau. Im Dezember 1867 weiht Don Bosco die Kapelle des Kollegs ein.
Im Juli 1871 bei einer Papstaudienz nimmt der Plan Don Boscos, eine Kongregation für die weibliche Jugend zu gründen, konkretere Formen an. In der Folgezeit schreibt er die ersten Ordensregeln, Don Pestarino wählt aus den Reihen der "Töchter der Immaculata" diejenigen aus, die danach leben können.
Am 6. Januar 1872 ist die sogenannte Geburtsstunde der zweiten Familie Don Boscos. An diesem Tag trennen sich die Wege der "Töchter der Immaculata".
Am Vorabend des 24. Mai 1872 beziehen die ersten jungen Frauen, die nach der Ordensregel von Don Bosco leben wollen, das Kolleg.
Am 5. August 1872 legen die ersten 11 "Töchter Mariä Hilfe der Christen" ihre Gelübde vor Don Bosco ab. Unter ihnen ist Sr. Maria Domenica Mazzarello, die Don Bosco zur "Vikarin" der Gottesmutter bestimmt, also zur Oberin der ersten Gemeinschaft. die Schwestern sollen ein "lebendiges Denkmal" der Dankbarkeit gegenüber der Gottesmutter Maria und mit ihr "Helferinnen der Christen" sein.
Während der ersten Ordensjahre macht sich Sr. Maria Mazzarello mit für eine Erzieherin notwendigen Kulturtechniken vertraut. Da es für die damalige Zeit nicht üblich war als Mädchen eine Schule zu besuchen, erlernte sie das Schreiben und verbesserte ihre Italienischkenntnisse (sie sprach nur Dialekt).
Die ersten Jahre der jungen Kongregation waren hart, es herrschte große Armut, viele junge Schwestern starben. Dennoch setzte man die ganze Hoffnung auf die göttliche Vorsehung.
Mutter Mazzarello (wie sie mittlerweile genannt wurde) legte durch ihre geistliche Mütterlichkeit und weise Führung das Fundament für die Entwicklung und Festigung der Kongregation.
Am 8. Oktober 1874 gibt es die zweite Gemeinschaft in Borgo San Martino. Die Schwesterngemeinschaft wächst stetig an.
1879 bricht eine neue Zeit an. Die Umsiedlung nach Nizza Monferrato heißt für Maria Mazzarello Abschiednehmen von Mornese. Für die junge Kongregation, die sich ausbreitet, bieten sich neue Möglichkeiten.
1880 wird Maria Mazzarello noch einmal zur Generaloberin gewählt, auch wenn sie sich gesundheitlich nicht recht in der Lage azu sieht.
Am 14. Mai 1881 stirbt sie an den Folgen einer Rippenfellentzündung, gerade mal 44 Jahre alt.
Am 20. November 1938 erfolgte die Seligsprechung durch Papst Pius XI..
Am 24. Juni 1951 durfte die Kirche die Heiligsprechung erleben.